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Umgang
mit Gehörlose

Wichtig: Bitte keine Vorurteile,
probieren geht über studieren!

Mit dieser Homepage möchte ich Informationen und Hilfestellungen geben, damit jeder mehr über die Hörbehinderung erfahren kann. Vielleicht könnten somit einige Hemmungen abgebaut werden.

Ein paar Ratschläge

• Blickkontakt beibehalten (zum Lippenablesen)

• Bitte langsam, deutlich und ruhig sprechen

• Wenn ein Gehörlose nach dem zweiten Wiederholen immer noch nichts verstanden hat, nicht die Nerven verlieren. Lieber den Begriff anders umschreiben

• Bitte nie schreien! Es verzerrt nur die Sprache und schüchtert den Gehörlose schnell ein

• Für gute Lichtverhältnisse sorgen (zum Lippenablesen)

• Bitte verstehe es nicht falsch, wenn ein Gehörlose nicht auf Dein Rufen reagiert. Er macht es nicht mit Absicht!


Beispiel
Sind Sie hörend und bemerken, dass sich in einem anderen Raum Menschen aufhalten und sich unterhalten. Sie nehmen zwar die Stimmen wahr, können das Gesagte aber nicht verstehen. Es ist fast so, als wenn Sie eine uralte schlechte Kassettenaufnahme hören. Ebenso, nur eben im stärkeren Masse, geht es uns Schwerhörigen und Gehörlosen bei der Kommunikation mit anderen Menschen.

Gebärdensprache Definition

Gebärdensprachen sind visuell-gesturale Sprachen, die sich innerhalb von gehörlosen Gemeinschaften in der ganzen Welt auf einer natürlichen Weise entwickelten. Früher wurden Gebärdensprachen nur als eine Form der Pantomime betrachtet, oder als eine ‘gebrochene Form’ der gesprochenen Sprache. Wissenschaftliche Studien in verschiedenen Forschungszentren in den Vereinigten Staaten und in Europa haben seit 1960 aber umfassende linguistische Beweise liefern können, dass die Gebärdensprache der Gehörlosen nicht nur als eine ‘richtige’ Sprache angesehen werden kann, sondern auch hochkomplizierte grammatikalische Strukturen besitzt, die häufig stark von denen der gesprochenen Sprache ihrer Umgebung abweichen.

Es gibt keine einheitliche ‘internationale Gebärdensprache’, sondern viele einzelne nationale Gebärdensprachen, die untereinander unverständlich sind. Viele Gebärdensprachen (so z.B. die Schweizer-deutsche Gebärdensprache) bestehen aus regionalen Dialekte. Obwohl ein Nichtgebärdender den Eindruck haben möge, dass das Gebärden stark bildhaft sei und der Pantomime gleiche, ist es vollkommen unmöglich eine gebärdete Unterhaltung vollständig zu verstehen, ohne den Wortschatz und die grammatikalischen Regeln der Sprache zu kennen.

Nur etwa 10% der gehörlosen Kinder erlernen die Gebärdensprache in einem natürlichen Erwerbsprozess, der demjenigen analog ist, den hörende Kinder beim Erlernen der gesprochene Sprache durchmachen. Dies sind die gehörlosen Kinder gehörloser Eltern, die von der frühesten Kindheit an, Gebärdensprache mit ihren Kindern brauchen. Die restlichen 90% der gehörlosen Kinder haben hörende Eltern, die im typischen Fall die Gebärdensprache selbst nicht kennen und keinen Kontakt mit gehörlosen Erwachsenen haben. Diese Kinder erhalten die erste Möglichkeit zur Erlernung der Gebärdensprache, wenn sie anfangen, eine Gehörlosenschule zu besuchen, wo sie die Sprache meist von anderen Kindern im Internat lernen. Einige Gehörlosen lernen die Gebärdensprache erst als eine spätgelernte zweite Sprache, nachdem sie ihre Schulung abgeschlossen haben und entschieden haben, als Erwachsene an der gehörlosen Gesellschaft teilzunehmen.

Fast alle gehörlosen gebärdenden Personen in Europa sind zweisprachig in der gesprochenen Sprache ihres Landes und in ihrer natürlichen Gebärdensprache. Viele gehörlose Menschen sind insofern ‘multilingual’, als dass sie auch andere nationale Gebärdensprachen kennen und manchmal auch andere gesprochene Sprachen.

Gebärdensprache ist nicht nur das Hauptkommunikations-mittel im täglichen Leben innerhalb der gehörlosen Gemeinschaft, sondern auch das Mittel, sich poetisch, theateralisch und humorvoll auszudrücken. Die Gebärdensprache zu beherrschen, ist demzufolge nicht nur der umvollreichste Weg für Kinder ihre gehörlose Identität zu entwickeln und zu stärken, sondern auch eine bestimmte Charakteristik der gehörlose Kultur.

Dr. Penny Boyes Braem, Forschungszentrum für Gebärdensprache

Basel, 17.09.97